Leuchtende Pilze

Last update: 13.4.06

Zur Hauptseite (Homepage)

Dieser Seite befasst sich mit leuchtenden Pilzen, welche dank Biolumineszenz in der Lage sind Nachts zu leuchten. Dieser Bericht wurde mir freundlicherweise von Herbert Wurth zu Verfügung gestellt und ich danke Herbert Wurth für diesen außerordentlich interessanten Beitrag. Möchten Sie ebenfalls einen so interessanten Bericht veröffentlichen, so nehmen Sie bitte mit mir Kontakt auf.

Leuchtende Pilze - Biolumineszenz im Pilzreich

Seit Menschengedenken üben die durch biochemische Vorgänge entstehenden Lichterscheinungen die nicht mit Wärmeentwicklung gekoppelt sind, eine große Faszination auf den Menschen aus.
Jedem von uns sind die Leuchtkäfer die in den warmen Juninächten fliegen und uns mit ihrem Blinken erfreuen, bekannt. Die weiteste Verbreitung haben leuchtende Organismen aber im Meer wo eine Unzahl von Leuchtbakterien leben und unter geeigneten Bedingungen, bei Sauerstoffeintrag, ihr Licht ausstrahlen.
Auch im Pilzreich finden wir Biolumineszenz. Schon in der Antike wurde von Aristoteles und Plinius leuchtendes Holz beschrieben. Für die meisten Beobachter war es geheimnisvoll und unheimlich und wurde mit Zauber, Feen und Elfen in Zusammenhang gebracht.
Im Englischen  weisen die Begriffe wie „foxfire“ , “fairylights“ , “fairysparks“ und „ghostfungus“ darauf hin.
Lange war der Grund für das Leuchten unbekannt. Erst 1823 wurde bei der Untersuchung von Holz aus einer Mine der Zusammenhang mit Pilzwachstum hergestellt.
Biolumineszenz wird heute definiert als die Lichtemission die von lebenden Organismen erzeugt wird. Es handelt sich um biochemische Energie welche direkt ohne Wärmeentwicklung  in Licht umgewandelt wird. Für die Biolumineszenz sind Stoffwechselprodukte die bei der Zersetzung von Substraten (wie Holz) entstehen notwendig. Das sind spezielle Moleküle, wie z.B. Luziferin, Panal, ATP (Adenosintriphospat), Luciferase (ein Enzym) und Sauerstoff .
Über den Nutzen für die Pilze gibt es nur Spekulationen, die chemische Reaktion weist auf das Abfangen von störenden Radikalen hin, vielleicht werden auch Insekten vom Licht angezogen und verbreiten die Sporen oder werden vielleicht nachtaktive Schnecken irritiert und verspeisen die Pilze nicht?
Heute werden wissenschaftlich , aufgrund der sehr empfindlichen Detektion auch schon geringster Lichtmengen, auf Biolumineszenz basierende Tests zum Nachweis von Spuren von Umweltgiften oder auch Krankheitskeimen eingesetzt.
Weltweit sind ca. 40 Pilzarten mit diesem Phänomen bekannt. Sie haben keine äußerlichen Ähnlichkeiten miteinander. Die meisten kommen in den Gattungen Pleurotus (12) und Mycena (19) vor. In den tropischen Wäldern harren sicher noch weitere Arten auf ihrer Entdeckung.
Bei uns ist die bekannteste Art der Hallimasch (Armillaria mellea) und der Ölbaumpilz (Omphalotus olearius). Das mit den dunklen Myzelfäden des Hallimaschs durchzogene verrottete Holz leuchtet bei genügender Feuchtigkeit ,die Fruchtkörper selbst aber nicht.
Anders verhält es sich mit der amerikanischen Art des auch  bei uns vorkommenden bitteren Zwergmuscheling (Panellus stipticus). Bei ihm leuchten sowohl das Myzel als auch die Fruchtkörper und ein großer Vorteil, er lässt sich ähnlich dem Austernseitling, leicht auf Holz oder Substrat kultivieren. Schon in den mit Malzextraktagar gefüllten Petrischalen ist beim Wachstum des Myzels das Leuchten, für ein an die Dunkelheit adaptiertes Auge, gut erkennbar. Die weitere Vermehrung geschieht auf einer Mischung Getreide und Holzspäne. Damit können dann Holzdübel beimpft werden. Auf den mit den Dübeln beimpften Birkenstämme bilden sich nach der Durchwachsphase die leuchtenden Fruchtkörper.
Die Bilder zeigen einen Substratblock der aus Getreide und Dübeln besteht. Es haben sich auch dort Fruchtkörper gebildet welche aber aufgrund des erhöhten CO2-Gehaltes ein etwas abweichendes Aussehen gegenüber den in freier Natur wachsenden Pilzen haben.

Die zweite Serie zeigt einen beimpften Birkenstamm mit Pilzen bei Tag und Nacht.

Für interessierte Experimentierwillige gibt es bei Herbert Wurth noch einige Einheiten gut durchwachsener Dübelbrut mit einer Gebrauchsanweisung.
Zum Autor:
Herbert Wurth lebt in einer wald- und pilzreichen Gegend im Waldviertel in Niederösterreich und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Pilzzucht und Bruterzeugung mit Schwerpunkt abwechslungsreiche Eigenversorgung.
Kontaktadresse:
Herbert Wurth
pilzgarten@schoenau.at
http://www.pilzgarten.at