Mykonet

Fortpflanzung der Pilze

Genug von dem Geschwätz des Webmasters? Also schnell weiter. Pilze werden in verschiedene Ordnungen unterteilt. Eigentlich ganz einfach und bei der Suche nach der Art sehr hilfreich.

Last Update: 22.12.05

Hier wird die Fortpflanzung der Pilze näher erläutert. 
Die Fortpflanzung der Pilze
Die Pilze die man sieht, sind meist nur die Fruchtkörper des eigentlichen Pilzes (Myzel), welcher im Boden, oder einem anderen Substrat lebt. Diese Fruchtkörper dienen der Fortpflanzung. Sie weisen eine Fruchtschicht (Hymenium) auf, welche verschieden gestaltet ist. Die Fruchtschicht kann die Form von Röhren, Lamellen, Leisten, Stacheln, etc. haben (siehe Ordnungen). Der Sinn solcher Fruchtschichtgestaltungen liegt in der Vergrösserung der sporentragenden Oberfläche.
Bei den Basidiomyceten bilden sich Sporen an den Basidien auf kleinen Fortsätzen, den Sterigmen. Bei den Ascomyceten bilden sich die Sporen in Asci (kleinen Schläuchen).  Sind die Sporen reif, trennen sie sich von den Sterigmen, oder werden aus den Asci geschleudert, und lassen sich, da mikroskopisch klein und dem entsprechend leicht, vom Wind verfrachten. Dazu genügt der leichteste Windhauch. Bei gewissen Arten helfen auch Insekten zur Weiterverreitung (z.B. Stinkmorchel). Die Sporen werden in enormen Mengen, oft zu Millionen produziert. Am besten sieht man dies bei den Bovisten, welche bei Berührung regelrechte Wolken von Sporen verteilen. Boviste sind auch als "Fuchsen-" oder "Wolfsfurz" bekannt. 

Sporen unter dem Mikroskop

Was passiert nun mit den Sporen? Eigentlich läuft das weitere ganz ähnlich wie bei uns ab, auch bei uns braucht es Männchen und Weibchen damit etwas mit Händen und Füssen zu Stande kommt. Nur scheint es bei den Pilzen nicht ganz so romantisch und wild zu und her zu gehen (oder irre ich mich?). Bei uns gibt es den männlichen Samen welcher den (halben) väterlichen Chromosomensatz beinhaltet, und die weibliche Eizelle welche den (halben) mütterlichen Chromosomensatz beisteuert. Vereinen sich die beiden erfolgreich, so entstehen mit unseren Kindern vermehrungsfähige Nachfahren mit einem vollen Chromosomensatz. Diese wiederum steuern zur weiteren Vermehrung jeweils wieder mit einem Abbild ihres eigenen, halbierten Chromosomensatzes bei. Das ganze ist ein raffinierter Trick der Natur welcher die Evolution überhaupt ermöglicht.      
Man spricht in der Mykologie nicht von weiblich und männlich, trotzdem aber von verschieden geschlechtlichen Zellen, den Gameten. Dies hat mit haploiden (halben) Chromosomensätzen zu tun, worauf ich hier aber nicht näher eingehen werde. Dazu wären etliche Seiten Biologie mit dem Thema Zellteilung, Chromosomen etc. nötig. 
Nun wird es kompliziert, ich vereinfache daher folgende Ausführungen stark. Eine Spore ist ein einzelliges Gebilde mit einem haploiden (eingeschlechtlichen, halben) Chromosomensatz. Findet eine Spore nun ein Substrat welches ihr behagt, beginnt sie zu keimen und bildet ein langes, fadenförmiges, ein- oder mehrzelliges Gebilde (Hyphe), welches sich weiterwachsend verzweigt und so ein primäres, habloides Myzel mit einem bestimmten Geschlecht bildet (Primär-Myzel). Die Keimungsbedingung von Sporen ist extrem anspruchsvoll, die Chemie muss da bis aufs Tüpfelchen vom "i" exakt stimmen, sonst wird aus dem Ausflug nichts. 
Treffen sich nun zwei verschiedengeschlechtliche Primärmyzelien, entsteht durch die Vereinigung von zwei verschieden geschlechtlichen (sofern die sich mögen), habloiden Chromosomensätze ein sekundäres (diploides) Myzel mit ganzen, vermehrungsfähigen Chromosomensätzen.  Das neu entstandene, vermehrungsfähige Sekundär-Myzel kann nun weiter wachsen und eines Tages wieder Fruchtkörper mit habloiden Sporen bilden. 
Was hier so locker erklärt wurde, ist in Wirklichkeit um vieles komplexer. Ich erlaube mir, für interessierte, auf entsprechende Fachliteratur zu verweisen, zum Beispiel "Anatomie der Hymenomyceten" von H. Clémençon, oder begeben Sie sich auf die Suche im Internet.