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Bestimmungsschlüssel

Aha! Aber was bedeuten den all verwendeten die Abkürzungen?

Last Update: 22.12.05

Es gibt zu viele Pilzarten, als dass man sie so einfach, durch Vergleichen mit Bildern in einem Pilzbuch, sicher bestimmen könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass die Pilze oft nicht so aussehen wie die Abbildung in einem Buch. Je nach Witterung, Standort, Alter etc. können Pilze ganz anders aussehen und von einer vorliegenden Fotografie massiv abweichen. Man ist bei der Bestimmung auf arttypische, unveränderliche Merkmale angewiesen, welche oft nicht, oder nur ungenügend aus einer Fotografie ersichtlich sind. Um bei den Tausenden von Artbeschreibungen die richtige Art zu finden bedient man sich eines Bestimmungsschlüssel.
 
Was ist ein Bestimmungsschlüssel?
Vereinfacht gesagt ist ein Bestimmungsschlüssel so eine Art Frage- und Antwortspiel. Es wird dabei Schritt für Schritt ein Merkmal nach dem andern durchgearbeitet, bis die gesuchte Art schlussendlich gefunden ist. Dazu gibt es verschiedene Arten von Bestimmungsschlüsseln. 
 

dichotomer Schlüssel

Auf jede Frage gibt es zwei Antworten.

polychotoner Schlüssel

Auf jede Frage gibt es mehrere Antworten.

 
Die beiden obigen Schlüssel könnte man auch in einem Flussdiagramm (flowchart) aufzeichnen. Die Antworten verzweigen jeweils in eine von zwei, oder mehreren Richtungen, und schränken somit die Suche nach der Art weiter ein.
 

synoptischer Schlüssel

Dieser Schlüssel funktioniert ganz anders als die zwei vorangehenden. Mit jeder Antwort auf eine Frage werden alle Gattungen/Arten ausgeschlossen, welche für die Beschreibung nicht in Frage kommen.

 
Der synoptische Schlüssel bietet sich vor allem für die Verwendung in Computerprogrammen an, da diese in der Lage sind, schnell die Menge der zur Verfügung stehenden Daten durchzutesten und die nicht in Frage kommenden Arten/Gattungen auszuschliessen. Was verbleibt ist die Menge an Arten/Gattungen welche die gefragten Merkmale noch aufweisen. 
 
Ein einfaches Beispiel soll die Arbeitsweise eines einfachen dichotomen Schlüssels darstellen:
Gesucht sei ein Pilz der Gattung Milchlinge (Lactarius). Es sei bekannt, dass die Milchlinge Lamellenpilze sind, und nur zwei Gattungen der Lamellenpilze milchen (aus dem Fleisch tritt bei Verletzung Saft aus), nämlich Arten der Gattung Helmlinge und Milchlinge. Weiter sei bekannt, dass der Stiel eines Milchlings mürbe bricht (wie Käse), derjenige eines Helmlings aber dünn und eher steif ist und nicht so einfach bricht. So könnte ein Bestimmungsschlüssel wie folgt aussehen;
 
1. Frage nach dem Hymenium Pilz hat Röhren. Weiter bei 2. (Hier werden bereits die Röhrlinge / Porlinge etc. ausgeschlossen)
Pilz hat Lamellen Weiter bei 3. (unser Kandidat)
3. Frage nach Fleisch Pilz milcht an Bruchstellen. Weiter mit 4. (unser Kandidat)
Pilz milcht nicht an Bruchstellen. Weiter mit 5. (Hier werden alle Gattungen, welche nicht zu den Milchlingen oder Helmlingen gehören bereits ausgeschlossen)
4. Frage nach Stiel Pilz bricht faserig, zäh (hier geht es zu den Helmlingen).
Pilz bricht mürbe wie Karotten oder Käse. (Unser Kandidat  Milchling)
 
Nun sind wir bereits bei den Milchlingen. Das Spiel geht nun weiter nach Grösse, Farbe, Geruch, Geschmack, Farbe der Milch etc., bis wir uns bei der gesuchten Art befinden.
 
Dies war natürlich ein bewusst einfaches gewähltes Beispiel. Die Sache wird einem nicht immer so einfach gemacht und der Einsatz eines Bestimmungsschlüssels setzt voraus, dass man die Merkmale richtig deuten und beschreiben kann. Vor allem wird einiges beim Erkennen von Formen, Farben, Geschmack und Geruch gefordert. Pilze können so z.B. beim Geruch zwischen einer Dampflokomotive, Honig, Chlor, Tinte, irgendwelchen Wanzen, bis zum Geruch nach Weihnachtsgebäck (Anis) variieren. Die Verwendung eines Bestimmungsschlüssels setzt etwas Übung voraus. Man ist als Neuling auf die Hilfe von Leuten angewiesen, welche in diesem Lernprozess bereits etwas weiter sind. Eine solche Hilfe bietet sich zum Beispiel in einem örtlichen Pilzverein an.