| Es gibt zu viele Pilzarten, als dass man sie so einfach,
durch Vergleichen mit Bildern in einem Pilzbuch, sicher bestimmen könnte. Erschwerend
kommt hinzu, dass die Pilze oft nicht so aussehen wie die Abbildung in einem Buch. Je nach
Witterung, Standort, Alter etc. können Pilze ganz anders aussehen und von
einer vorliegenden Fotografie massiv abweichen. Man ist bei der
Bestimmung auf arttypische, unveränderliche Merkmale angewiesen, welche oft nicht,
oder nur ungenügend aus einer Fotografie ersichtlich sind. Um bei den Tausenden von Artbeschreibungen die richtige Art
zu finden bedient man sich eines Bestimmungsschlüssel. |
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| Was ist ein Bestimmungsschlüssel? |
| Vereinfacht gesagt ist ein Bestimmungsschlüssel so eine
Art Frage- und Antwortspiel. Es wird dabei Schritt für Schritt ein Merkmal nach dem
andern durchgearbeitet, bis die gesuchte Art schlussendlich gefunden ist. Dazu gibt es verschiedene Arten von
Bestimmungsschlüsseln. |
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dichotomer Schlüssel |
Auf jede Frage gibt es zwei Antworten.
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polychotoner
Schlüssel |
Auf jede Frage gibt es mehrere Antworten.
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| Die beiden obigen Schlüssel könnte man
auch in einem Flussdiagramm (flowchart) aufzeichnen. Die Antworten verzweigen jeweils in
eine von zwei, oder mehreren Richtungen, und
schränken somit die
Suche nach der Art weiter ein. |
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synoptischer Schlüssel |
Dieser Schlüssel funktioniert ganz anders
als die zwei vorangehenden. Mit jeder
Antwort auf eine Frage werden alle Gattungen/Arten ausgeschlossen, welche für die Beschreibung nicht in
Frage kommen.
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| Der synoptische Schlüssel bietet sich vor allem für
die Verwendung in Computerprogrammen an, da diese in der Lage sind, schnell die Menge der zur Verfügung
stehenden Daten durchzutesten und die nicht in Frage kommenden Arten/Gattungen
auszuschliessen. Was verbleibt ist die Menge an Arten/Gattungen welche die
gefragten Merkmale
noch aufweisen. |
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| Ein einfaches Beispiel soll die Arbeitsweise eines
einfachen dichotomen Schlüssels darstellen: |
| Gesucht sei ein Pilz der Gattung Milchlinge
(Lactarius).
Es sei bekannt, dass die Milchlinge Lamellenpilze sind, und nur zwei Gattungen der
Lamellenpilze milchen (aus dem Fleisch tritt bei Verletzung Saft aus), nämlich
Arten der Gattung Helmlinge und
Milchlinge. Weiter sei bekannt, dass der Stiel eines
Milchlings mürbe bricht (wie Käse), derjenige eines Helmlings aber dünn und eher steif
ist und nicht so einfach bricht. So könnte ein Bestimmungsschlüssel wie folgt aussehen; |
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| 1. Frage nach dem Hymenium |
Pilz hat Röhren. Weiter bei 2. (Hier werden bereits
die Röhrlinge / Porlinge etc. ausgeschlossen) |
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Pilz hat Lamellen Weiter bei 3. (unser Kandidat) |
| 3. Frage nach Fleisch |
Pilz milcht an Bruchstellen. Weiter mit 4. (unser
Kandidat) |
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Pilz milcht nicht an Bruchstellen. Weiter mit 5. (Hier
werden alle Gattungen, welche nicht zu den Milchlingen oder Helmlingen
gehören bereits
ausgeschlossen) |
| 4. Frage nach Stiel |
Pilz bricht faserig, zäh (hier geht es zu den
Helmlingen). |
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Pilz bricht mürbe wie Karotten oder Käse. (Unser
Kandidat Milchling) |
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| Nun sind wir bereits bei den
Milchlingen.
Das Spiel geht nun weiter nach Grösse, Farbe, Geruch, Geschmack, Farbe der Milch etc., bis
wir uns bei der gesuchten Art befinden.
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| Dies war natürlich ein bewusst einfaches
gewähltes Beispiel. Die
Sache wird einem nicht immer so einfach gemacht und der Einsatz eines
Bestimmungsschlüssels setzt voraus, dass man die Merkmale richtig deuten
und beschreiben kann. Vor allem wird einiges beim
Erkennen von Formen, Farben, Geschmack und Geruch gefordert. Pilze können
so z.B. beim Geruch
zwischen einer Dampflokomotive, Honig, Chlor, Tinte, irgendwelchen Wanzen, bis zum Geruch
nach Weihnachtsgebäck (Anis) variieren. Die Verwendung eines Bestimmungsschlüssels
setzt etwas Übung voraus. Man ist als Neuling auf die
Hilfe von Leuten
angewiesen, welche in diesem Lernprozess bereits etwas weiter sind. Eine solche Hilfe bietet
sich zum Beispiel in einem örtlichen Pilzverein an. |
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