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Gattungen

Nun wissen wir also, wie die Taxonomie funktioniert. Schauen wir doch mal kurz in den taxonomischen Aufbau des Bildarchives von Mykonet.

Last Update: 20.9.06

Eine der großen Schwierigkeiten beim Bestimmen von Pilzen  (die Bestimmung der Art) besteht in der vorgängigen Zuordnung des Fundes in eine Gattung. Gelingt einem dieses, so wird die Bestimmung der Art  wesentlich erleichtert. Hinweise zur Gattungsbestimmung findet man hier. Hier ein paar Worte zu dem Begriff Gattung.
 
Was bedeutet der Begriff Gattung?
Der schwedische Forscher Carl von Linné (18. Jahrhundert) hat erstmals biologischen Arten einem Klassifizierungssystem, dem binomischen Nomenklaturasystem bzw. der Taxonomie, zugeordnet. Dies ist ein System welches jede biologische Art mit mindestens zwei Begriffen eindeutig kennzeichnet, z.B. Amanita muscaria (Fliegenpilz). Der erste Begriff, dessen Anfangsbuchstabe stets groß geschrieben wird, steht dabei für die Gattung, der zweite Begriff, dessen Anfangsbuchstabe stets klein geschrieben wird, steht für die Art. Ein dritter Begriff kann für eine Rasse (Unterart, Subspezies), dem lateinisierten Namen des beschreibenden Wissenschaftlers, oder eine Region stehen. Die Natur hat keine Kenntnisse von diesem Klassifizierungssystem, dieses ist eine rein menschliche Erfindung, welche sich nach Verwandtschaftsgraden (Ähnlichkeiten) richtet und versucht, die Artenvielfalt der Lebewesen irgendwie zu ordnen und zu katalogisieren.
Das binomische Nomenklaturasystem (die Taxonomie) unterscheidet bei den Eukaryoten* in die Reiche der "höheren Lebewesen", wie Pflanzen (Plantae), Pilze (Fungi) und Tiere (Animalia), sowie in "niedere Lebewesen" wie Algen, niedere Pilze und Protozoen, sowie in das Reich der Prokaryoten** wie Blaualgen und Bakterien. 
*Eukaryoten haben Zellen mit einem typischen Zellkern, umgeben von einer Kernhülle. Zu den Eukaryota gehören alle Tiere, höhere Pflanzen, Pilze, Moose, Flechten und Algen. 
**Bei den Prokaryoten fehlt die Kernhülle, im Gegensatz zu den Eukaryoten. 
 
Aufbau der Taxonomie mit Wortendungen für das Reich der Pilze
Dieser Aufbau der Taxonomie ist allgemein für jede biologische Art gültig. Als Beispiel  sei hier in runden Klammern der Zuchtchampignon (Agaricus bisporus) eingeordnet. 
Klassifizierungssystem Bei Pilzen
Reich [Regnum], (Pilze), Tiere, Pflanzen Fungi
Stamm*, Abteilung* [Phylum], Pilze und pilzähnliche (Ständerpilze, Pilze mit Basidien, Basidiomycota) Endung  -mycota
weitere Unterteilung in Unterabteilungen [Sub-Phylum] möglich Endung  -mycotina
Klasse [Classis], (Pilze deren Basidien sich offen an der Oberfläche des Hymeniums befinden, Hymenomycetes). Im Gegensatz zu den Gastromycetes (Bauchpilze) bei welchen sich die Basidien im Innern des Fruchtkörpers befinden. Endung  -mycetes

 

weitere Unterteilung in Unterklassen [Sub-Classis] möglich Endung  -mycidae
Ordnung [Ordo] (Blätterpilzartige, Agaricales) Endung  -ales 
weitere Einteilung in Unterordnung [Sub-Ordo] möglich Endung  -ales
Familie [Familia] (Egerlingsartige, Agaricaceae) Endung  -aceae
weitere Unterteilung in Unterfamilien [Sub-Familia] möglich Endung  -aceae
weitere Unterteilung in Gruppen [Tribus] möglich. Tribus beschreibt den Grundtyp der Gruppe. Endung  -aceae
weitere Unterteilung in Untergruppen [Sub- Tribus] möglich  
Gattung [Genus] (Egerling, Champignon, Agaricus) Endung  -a, -us, -um, und viele andere
weitere Unterteilung in Untergattungen [Subgenus] möglich   
weitere Unterteilung in Sektionen möglich  Beschreibt im vorliegenden Beispiel des Zuchtchampignons die Eigenschaften des Ringes, des Stiels und die Verfärbung des Fleisches.
weitere Unterteilung in Subsektionen möglich   
Art [Spezies] (Zuchtchampignon, Agaricus bisporus) Die Beispielart ist hier mit Agaricus bisporus, dem Zuchtchampignon sauber definiert. Vergleichen Sie bitte auch folgenden FAQ-Beitrag
Rasse** weitere Unterteilung in Unterart [Subspezies] , Varietäten und Sorten möglich.   
*in der Zoologie spricht man von Stamm, bei Pilzen eher von Abteilung
**Beifügung des lateinisierten Namens des beschreibenden Wissenschaftlers, einer Region oder Varietäten 
 
Wozu taxonomische Namen?
Die Namen biologischer Arten stammen zum Teil aus dem Lateinisch und zum Teil aus dem Neugriechisch, können auch lateinisierte Namen deren Erstbestimmer, Regionen, oder Varietätenbezeichnungen beinhalten. Aus diesem Grunde sollte bei den Pilzen konsequenter Weise von wissenschaftlichen Namen und nicht von lateinischen Namen gesprochen werden. Es heisst so z.B. der Fliegenpilz mit wissenschaftlichem Name "Amanita muscaria", der Steinpilz "Boletus edulis" und der Pfifferling "Cantharellus cibarius". Pilze werden somit, unabhängig von Sprache und Dialekten, auf der ganzen Welt gleich bezeichnet. Mit dem binomischen Nomenklaturasystem werden so Sprachgrenzen umgangen. Jedes Lebewesen wird mit einem eindeutigen Gattungs- und einem Artennamen bezeichnet, welcher international genormt ist. Der Gattungsname (z.B. Amanita) umfasst mehrere Arten mit ähnlichen Merkmalen wie z.B. den Grünen Knollenblätterpilz (Amanita phalloides), den Fliegenpilz (Amanita muscaria) und andere. Gattungen mit ähnlichen Merkmalen (z.B. Amanita) werden zu Familien (z.B. Agaricaceae) zusammengefasst. Familien mit ähnlichen Merkmalen werden zu Ordnungen zusammengefasst (z.B. Agaricales) und so weiter. Die wissenschaftlichen Namen einer Art sagen meist mehr über eine Art aus, als deren deutscher (oder anders sprachiger) Name. Vor allem fällt einem die Zuordnung einer Art zu einer Gattung mit dem wissenschaftlichen Namen leichter. Ein Beispiel: spricht jemand von einem "Herrenpilz" (eine schwäbische Bezeichnung für den Steinpilz), so habe ich (außer ich kenne diese Dialektbezeichnung) keine Ahnung was dies für ein Pilz sein könnte. Fällt aber die Gattungsbezeichnung "Boletus", so weiß ich schon mal, dass es sich um einen Röhrling mit einem kräftigem Stiel (Dickbauchröhrling) handeln muss. Folgt nun noch der Artenname edulis, so ist es für mich eindeutig klar; es handelt sich um einen Steinpilz. Oder noch krasser; Ein Japaner erzählt mir auf japanisch von einen Pilzfund und erwähnt dabei den Ausdruck Boletus edulis. Da ich kein japanisch verstehe, habe ich zwar keine Ahnung was er mir da erzählt, was ich aber sofort verstehe ist, dass es sich bei seiner Erzählung um einen Steinpilz handeln muss. 
Wer es genauer wissen will, dem empfehle ich diesen Link

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