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Pilzgifte

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Last Update: 11.11.06

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Diese Seite soll über Pilzgifte und Vergiftungssymptome aufklären.
Vorwort
Die wichtigsten Pilzvergiftungen
Pilzvergiftungen mit möglichem tödlichen Ausgang Ausrufezeichengif.gif (2702 Byte)
    Phalloides-Syndrom
    Gyromitrin-Syndrom
    Orellanus-Syndrom
    Paxillus-Syndrom
    Rhabdomyolyse
  Pilzvergiftungen im Normalfall ohne tödlichem Ausgang
    Gastrointestinales-Syndrom
    Paxillus-Syndrom
    Muscarin-Syndrom
    Ibotensäure-Syndrom
    Coprinus-Syndrom
    Psilocybin-Syndrom
  Vergiftungen durch normalerweise essbare Pilze
    Unechte Pilzvergiftungen
    Pilzallergien
    Schlussbemerkung
Vorwort
Den wichtigsten Grundsatz der Toxikologie formulierte bereits im 16. Jahrhundert Theophrastus Bombastus von Hohenheim, besser bekannt als Paracelsus:

"Was das nit gifft ist? Alle ding sind gifft. Allein die dosis macht das ein ding nicht gifft ist."

 
Er sagte damit aus, dass ein Stoff, in einer gewissen Menge genossen, dann ein Gift ist, wenn die genossene Menge nach dem Eindringen in den Organismus zu Funktionsstörungen führt. Pilzgifte gibt es bei vielen Pilzen, auch bei Arten welche nahe mit guten Speisepilzen verwandt sind. Pilzgifte wurden auch in der Geschichte immer wieder dazu benutzt, unliebsame politische Gegner oder Partner?!, und sonstige unbeliebte Zeitgenossen, ins Jenseits zu befördern. So wurde zum Beispiel, wie es der Literatur zu entnehmen ist, auch der römische Kaiser Claudius im Jahre 54 n. Chr. Opfer eines solchen Mordanschlages (Pilzmahlzeit zubereitet von seiner Gemahlin Agrippina). Allerdings beschränken sich solche Taten nicht nur auf Pilze, es gibt auch eine ganze Menge hochgiftiger Pflanzen. Auch heute treten, meist nicht beabsichtigte, Pilzvergiftungen auf, welche teilweise harmlos, aber leider auch immer wieder tödlich, oder mit schwersten organischen Schäden enden. Die Literatur berichtet von ca. 200 bekannten Giftpilzen und jedes Jahr ereignen sich durch unkontrollierte Pilze immer wieder leichte bis schwere, ja sogar tödliche Vergiftungsfälle.
Anmerkung: Ich bin kein Mediziner, die folgenden Informationen stammen aus der Fachliteratur.
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Die wichtigsten Pilzvergiftungen
Man kann zwischen früh auftretenden Beschwerden (15 Minuten bis 4 Stunden nach der Pilzmahlzeit) und spät auftretende Beschwerden (4 Stunden bis Wochen nach der Pilzmahlzeit) unterscheiden. Früh auftretende Beschwerden können meist den leichteren Pilzvergiftungen zugewiesen werden (mit Ausnahmen!), während spät auftretende Beschwerden oft auf gefährliche Pilzvergiftungen hinweisen, welche sogar lebensgefährlich sein können. Eine kürzere Latenzzeit kann aber nicht unbedingt als Entwarnung vor tödlich giftigen Pilzen angesehen werden. In einem Mischgericht können durchaus auch tödliche Pilze mit einer längeren Latenzzeit verwendet worden sein. Verlassen Sie sich nicht auf die Latenzzeiten sondern handeln Sie sofort wen Ihnen nach einer Pilzmahlzeit unwohl ist. Rufen Sie dazu (für die Schweiz) das TOX an. Dieses hilft Ihnen 24 Stunden pro Tage und 7 Tage die Woche weiter. In andern Ländern gibt es ähnliche Institutionen.
Pilzvergiftungen können in 3 Kategorien aufgeteilt werden.
-Gefährliche Pilzvergiftungen mit tödlichem Ausgang
-Leichtere Pilzvergiftungen, im Normalfall nicht tödlich
-Vergiftungen durch normalerweise essbare Pilze
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Pilzvergiftungen mit möglichem tödlichen Ausgang
 
Lange Latenzzeit: 4-24 Stunden und mehr (bis Wochen)
Wichtiger Hinweis: Bei Übelkeitserscheinungen innerhalb von 4-8 Stunden oder länger nach dem Genuss von Pilzen unbedingt sofort einen sachverständigen Arzt, den örtlichen Spital oder einen Spezialisten kontaktieren. Diese Maßnahme kann lebensrettend sein!
 
Verschiedene Pilzgifte dieser Gruppe rufen unterschiedliche Symptome auf. Es kann nach drei Symptomen unterschieden werden;
 
Phalloides-Syndrom
Giftstoffe: Amatoxine (gefährliche Lebergifte)
Symptome: Bauchkrämpfe, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, evtl. Kollaps, Leberschädigung (Gelbsucht). Die drei unten aufgeführten Knollenblätterpilze sind die, für Todesfälle am häufigsten verantwortlichen Giftpilze, wobei der grüne Knollenblätterpilz für rund 95% aller tödlich endenden Pilzvergiftungen verantwortlich ist.
Durch gefährliche Zellgifte führen die Amatoxine zu schweren Schädigungen der inneren Organe. Die tödliche Dosis liegt bei etwa 0,1mg/kg Körpergewicht. Bei einem Anteil von ca. 15mg pro 100gr Frischpilz entspricht dies bei einer Person mit 70kg Körpergewicht also rund 50gr Frischpilz oder anders herum ein einziger Pilz. Der Tod tritt nach 3-8 Tagen durch Leberversagen (Delirium und Komma) ein.
Krankheitsbild: Nach anfänglicher Übelkeit, gefolgt durch Gastroenteritis mit heftigen Brechanfällen und schmerzhaften, übelriechenden, oft blutigen Durchfällen, die tagelang anhalten können, sowie starken Schweißausbrüchen und Wasserverlust, tritt eine Phase der scheinbaren Besserung ein. Danach treten Symptome wie Druckempfindlichkeit im Bereich der Leber, Gelbsucht sowie starke Magen- und Darmblutungen auf. Nach 3-8 Tagen führt ein Leberversagen zum Kollaps.
verantwortliche Pilze:
Hauptverursacher grüner Knollenblätterpilz Amanita phalloides
Frühlings-Knollenblätterpilz Amanita verna
Kegelhütiger bzw. Spitzhütiger Knollenblätterpilz Amanita virosa
weiter in kleine Giftschirmlinge Lepiota: z. B. Lepiota helveola, Lepiota castanea, Lepiota brunneoincarnata
verschiedene Häublinge Galerina: z.B. Galerina marginata und Sektion Naucoriopsis
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Gyromitrin-Syndrom
Giftstoffe: Gyromitrin
Symptome: Der Giftstoff führt zu schweren Leber- und Nierenschäden, sowie Störungen des Zentralnervensystems. Er führt bei schweren Vergiftungen und nach 2-3 Tagen zum Tod durch Atemstillstand und Kreislaufzusammenbruch.
verantwortliche Pilze:
Frühjahrslorchel Gyromitra esculenta
evtl. weitere Lorchelarten Gattung Gyromitra
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Orellanus-Syndrom
Giftstoffe: Orellanine
Symptome: Der Giftstoff kann bei einer Latenzzeit von bis zu zwei Wochen und mehr, zu Nierenschäden mit gänzlichem Ausfalls des Organs führen (Niereninsuffizienz).
verantwortliche Pilze:
Orangefuchsiger Rauhkopf Cortinarius orellanus
Spitzgebuckelter Rauhkopf Cortinarius rubellus
Die Giftigkeit dieser Pilze konnte erst durch eine Massenvergiftung in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts aufgedeckt werden.
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Paxillus-Syndrom (Achtung!! Kurze Latenzzeit!!)
Giftstoffe: Nach wiederholtem Verzehr von Paxillus involutus, kann es zusätzlich zum Gastrointestinalen Syndrom zu einer Hämolyse infolge einer Antikörperreaktion, kommen.
Symptome: 15 Minuten bis 2 Stunden nach Verzehr treten Kollaps, Bauchkoliken, Brechdurchfälle und Blut im Urin auf. Die Hämolyse kann einen schweren Kreislaufkollaps mit schwerem Nierenversagen bewirken.
verantwortliche Pilze:
Hauptverursacher kahler Krempling Paxillus involutus
Dieser Pilz galt viele Jahre als essbar und wurde relativ spät als Giftpilz entlarvt. Dies wohl auch aufgrund der Tatsache, dass man diesen Pilz mehrfach verzehren muss bis es zu den lebensbedrohenden Vergiftungen kommt.
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Rhabdomyolyse
Giftstoffe: Nach wiederholtem Verzehr von Tricholoma equestere (Grünling), kann es zu einer Rhabdomyolyse kommen. Dabei kommt es zum Zerfall und Abbau von Muskelfasern (auch der Herzmuskulatur).  
Symptome: Tage nach dem Verzehr zeigen sich Muskelschmerzen, Bewegungsschwäche,  Müdigkeit, Schwitzen, beschleunigtes Atmen bis Atemnot, Übelkeit, Hautrötung im Gesicht, verbunden mit einer Dunkelfärbung des Urins. Die Rhabdomyolyse kann zum Tod durch Nieren- oder Herzversagen führen.
verantwortliche Pilze:
Hauptverursacher Grünling Tricholoma equestere
Die neue Erkenntnis das der Grünling giftig ist, kommt aufgrund mehrerer schwerer und tödlicher Vergiftungsfälle in den Jahren 2001 und 2002, welche in Zusammenhang mit T. equestere gebracht werden konnten, zustande. Der Grünling (T. equestere) wird in den Pilzbüchern als Speisepilz bewertet!!! Dieser Pilz ist von der Liste der Speisepilze zu streichen!
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Pilzvergiftungen im Normalfall ohne tödlichen Ausgang
 
Kurze Latenzzeit: 1/4 bis 4 Stunden
Auch wenn der Verzehr dieser Pilze in der Regel ohne tödlichen Ausgang endet, so sollte auf deren Verzehr auf jeden Fall verzichtet werden.
  
Gastrointestinales Syndrom
Giftstoffe: meist noch unbekannt
Symptome: Verschiedene giftige Substanzen führen zu starken Reizungen des Verdauungstraktes und lösen zum Teil starke Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfälle aus.
verantwortliche Pilze:
Hauptverursacher Riesen-Rötling Entoloma sinuatum
Tiger-Ritterling Tricholoma pardolotum
Karbol-Champignon Agaricus xanthoderma
Grünblätteriger Schwefelkopf Hypholoma fasciculare
Ziegelroter Schwefelkopf Hypholoma lateritium
Satans-Röhrling Boletus satanas
Ölbaum-Pilz Omphalotus olearius
Kahler Krempling  

 

Paxillus involutus* siehe den wichtigen Hinweis unter Paxillus-Syndrom
scharfe Täublinge Gattung Russula
scharfe Milchlinge Gattung Lactarius
einige Korallen Gattung Ramaria
bei empfindlichen Personen auch Hallimasch Armillaria mellea
Nebelgrauer Trichterling Clitocybe nebularis
*siehe auch unter Pilzvergiftungen mit möglichem tödlichen Ausgang unter Paxillus Syndrom
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Muscarin-Syndrom
Giftstoffe: Muscarin
Symptome: Schweißausbrüche, Hitzegefühl, Pupillenverengung*, Speichelfluss, Tränenfluss, Erbrechen, Durchfälle.
*vergleiche Ibotensäure-Syndrom
verantwortliche Pilze:
Hauptverursacher Ziegelroter Risspilz Inocybe patouillardii
Kegeliger Risspilz Inocybe rimosa
Weisser Feldtrichterling Clitocybe dealbata
Rinnigbereifter Trichterling Clitocybe rivulosa
verdächtig alle Risspilze Gattung Inocybe
verschiedene weiße Trichterlinge Gattung Clitocybe
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Ibotensäure-Syndrom
Giftstoffe: Ibotensäure, Muscimol, Muscazon
Symptome: Rauschzustand, Tobsuchtsanfälle, Verwirrtheit, Halluzinationen, Gehstörungen, Bauchschmerzen, Muskelzuckungen,  Pupillenerweiterung*, tiefe Schlafzustände
*vergleiche Muscarin-Syndrom
verantwortliche Pilze:
Hauptverursacher Fliegenpilz Amanita muscaria
Königs-Fliegenpilz Amanita regalis
Pantherpilz Amanita pantherina
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Coprinus-Syndrom
Giftstoffe: Coprin
Symptome: Schwindel, Gesichtsrötung, Atembeschwerden, Pulsanstieg und  Brustschmerzen wenn 1-2 Tage vor dem Verzehr Alkohol konsumiert wurde, bzw. bis 2 Tage nach der Pilzmahlzeit bei Alkoholgenuss! Coprin verhindert, oder verlangsamt den Abbau von Alkohols und führt zur Alkoholvergiftung.
verantwortliche Pilze:
Hauptverursacher Faltentintling Coprinus atramentarius
verdächtig Netzstieliger Hexenröhrling Boletus luridus
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Psilocybin-Syndrom
Giftstoffe: Psilocybin, Psilocin
Symptome: Rauschzustände, Halluzinationen, Euphorie, Angstzustände, Gehirnstörungen, Blutdruckabfall. Achtung! Nichts zum spielen und nicht harmlos! Die Vergiftungsfälle durch falschen Umgang haben in den letzten Jahren zugenommen. Rund 30% aller Pilzvergiftungen können in der Schweiz auf den Konsum von sogenannten Drogenpilze zurückgeführt werden.
verantwortliche Pilze:
Hauptverursacher Spitzkegeliger Kahlkopf Psilocybe* semilanceata
Kubanischer Kahlkopf Psilocybe* cubensis
Blauender Kahlkopf Psilocybe* cyanescens
Weitere Arten der Kahlköpfe Gattung Psilocybe*
* neu Stropharia zugeordnet
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Vergiftungen durch normalerweise essbare Pilze
Pilze sind allgemein schwer verdaulich und können auch Beschwerden erzeugen, wenn zu viel davon konsumiert wird (Paracelsus), oder diese bereit verdorben sind. Pilze sollten nie roh verzehrt werden (auch keine Zuchtchampignons). Wildpilze schon aus rein hygienischen Gründen und der Gefahr von Krankheitserregern (siehe Fuchsbandwurm) nicht. Auch die Verwendung von zu viel Fett beim braten kann zu Beschwerden führen. Man unterscheidet weiter in;
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Unechte Pilzvergiftungen
Unechte Pilzvergiftungen entsprechen einer Lebensmittelvergiftung durch verdorbene Pilze (überalterte, falsch gelagerte, falsch zubereitete, falsch verpackte, falsch konservierte, oder rohe Pilze, Schimmel, Bakterien und sonstige Krankheitserreger).
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Pilzallergien
Betrifft Personen, welche eine angeborene oder erworbene Überempfindlichkeit auf den Konsum von gewissen Pilzen aufweisen.
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Schlussbemerkung zu den Pilzvergiftungen
Ich bin seit Jahren davon überzeugt, dass so manche echte Pilzvergiftung nicht auf den Konsum von irgendwelchen Pilzen zurückgeführt werden konnte. Die neuesten Erkenntnisse wie Tricholoma equestere  (Grünling), sowie andere ähnlich gelagerte Fälle, bestätigen meine These. Ich bin mir sicher, dass noch etliche neue Erkenntnisse über giftige Pilze auf uns zukommen werden. Der Grossteil der Pilze ist noch nicht ausreichend auf Gifte untersucht worden. Noch unbekannte giftige Arten werden nur erkannt wenn sie mehr oder weniger brutal zuschlagen. Was aber unbekannte Gifte, deren Auswirkungen wir nicht direkt schmerzhaft spüren, für Langzeitauswirkungen haben können ist noch unerforscht.  Aus diesem Grunde rate ich nach wie vor nur anerkannte Speisepilze zu konsumieren.